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Abenteuer des Robert K.

#02: Geplante Panne?

Eine lähmende Müdigkeit überfiel ihn und er drohte einzunicken. Doch dann kam dieser eine Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss und ihn auf einen Schlag wieder hellwach werden liess: Was, wenn der heutige Tag für einmal anders werden würde? Was, wenn er die gewohnten Wege einfach einmal verlassen würde, wenn er heute einmal völlig neu und anders denken und reagieren würde, ungewohnt für sein Umfeld? Was, wenn sich dadurch nicht nur sein Tag, sondern auch der nächste, der übernächste und überhaupt sein Leben verändern würde? «Dranbleiben. », dachte er. «An diesem Gedanken muss ich dranbleiben ».

Er, der sonst stets als grimmig, barsch und vor allem launisch charakterisiert und auch erlebt wurde, würde sich auf einen Schlag ändern, er würde sich gewissermassen bessern. Eigentlich wollte er gar nie so sein, wie er nun von aussen wahrgenommen wurde, wie er nun war. Doch irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass ihm gar kein Raum zur Veränderung gelassen wurde. Von ihm als Chef wurde offenbar eine gewisse Art, eine bestimmte Rolle erwartet.

«Über jeden Chef, jeden Vorgesetzten in dieser Welt wird gemotzt und gelästert – und das ist leider Gottes in meiner Firma nicht anders » pflegte Robert zu sagen, wenn dieses Thema unter Freunden angesprochen wurde. Durch dieses Gerede hinter seinem Rücken fühlte er sich in eine Ecke gedrängt, fühlte er sich eingeengt und gezwungen, zu reagieren, sich zu verteidigen. Und er wählte eine vielleicht ungeschickte Art dazu. Eine falsche?

Aber hatte nicht er als Chef dieser rund 50 Angestellten, die genaue Anzahl war ihm selten präsent, das Ruder in der Hand? Hatte nicht er die Möglichkeit, ja gar die Verantwortung, diese Tatsache zu beeinflussen? «Wenn sich die Situation nicht verändern will, dann muss ich mich halt zuerst ändern» entschied er sich an diesem Morgen.

Die Zeit verging wie im Zuge. Im Lautsprecher knackte es und eine Stimme drängte sich zwischen die Gedanken in Roberts Kopf. Sie kündigte die baldige Ankunft an seinem Zielbahnhof an. Roberts Gesichtsausdruck hatte sich verändert. Klar, eine Auswirkung seiner inneren Freude und Zuversicht, dass sein Leben auf einmal und schon bald schön und erfüllend werden könnte. Dass er doch noch zu dem Menschen werden würde, den er schon immer gerne gewesen wäre: Ein akzeptierter und geachteter Mann, eine kompetente und angenehme Führungsperson, viel mehr ein Vater, denn ein klassischer Chef. Er packte seine Unterlagen und seine Agenda zusammen und fühlte sich so fit und bereit für den Tag, wie noch selten. Oder wie noch nie.

Auf einmal begann die Beleuchtung zu flackern, die Fahrt ruckelnd zu werden, bis schliesslich der Zug abrupt zum Stillstand kam. «Bingo, ein technischer Defekt, ich hätte es ja wissen müssen… Ausgerechnet heute! » regte sich Robert auf. Er hatte sich lange genug überlegt, ob er wohl besser mit dem Auto oder mit dem Zug zur Arbeit fahren würde. Erst recht, da heute viele und vor allem wichtige Termine auf dem Programm standen.

Gerade eben wollte er lauthals seine Empörung zum Ausdruck bringen, als würden das nicht bereits genug andere im selben Zug auch tun. Aber es vergingen nur ein paar Sekunden, ehe er sich auf seinen Entscheid besann, sich ändern zu wollen. Und zudem sah er ein, dass unanständige Ausdrücke diesen Zug wohl kaum bewegen konnten. Kurze Zeit später tat er das, was alle anderen Mitreisenden auch taten: Er griff zum Mobiltelefon. Er wollte kurzerhand seine Sekretärin, Frau Baumgartner, über seine ungünstige Situation in Kenntnis setzen.

«Guten Morgen, Ruth. Du, ich bin in… » aber was war das nun? Kurz nachdem sich Ruth gemeldet hatte, brach die Verbindung ab. Nur ein Summton war noch zu hören. Er schaute sich um. Alle anderen im Zug waren weiterhin eifrig am referieren und telefonieren. Am Funknetz schien es also nicht zu liegen. Noch einmal wählte er die Büronummer, allerdings ohne Erfolg. Die Hauptnummer… keine Chance. Und zu guter Letzt wählte er noch Ruths private Mobil-Nummer, aber auch so war kein Durchkommen.

Komisch. Ausgerechnet heute. Aber – war das Zufall? Es konnte doch nicht sein, dass nur die Nummern, die er gerade hätte wählen wollen, ja wählen sollen, nicht erreichbar waren! War das geplant? War das …? Nein! Das konnte nicht sein! Das durfte nicht sein…!

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© 2008 by kreativreaktor.ch / Roland Keller

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