Komisch. Ausgerechnet heute. Aber – war das Zufall? Es konnte doch nicht sein, dass nur die Nummern, die er gerade hätte wählen wollen, ja wählen sollen, nicht erreichbar waren! War das geplant? War das …? Nein! Das konnte nicht sein! Das durfte nicht sein…!
Robert hatte das Gefühl, es seien Stunden vergangen, seit sein Zug, der ihn doch zur Arbeit hätte bringen sollen, zum Stillstand gekommen war. Tatsächlich war es aber nur eine halbe gewesen. Lange genug aber, um gegen die aufkommende Verzweiflung anzukämpfen. Sämtliche Telefonate waren erfolglos geblieben. Weder konnte er in Erfahrung bringen, was genau das Problem für den Stillstand des Zuges war, noch war irgendwer in seiner Firma erreichbar. Und er hatte keine Ahnung, was dort genau vor sich ging. Er konnte nur spekulieren. Und genau das machte ihm Angst. Mit jeder Minute, die verstrich, kamen in seinem Kopf immer neue und immer schlimmere Vorstellungen auf. Und keines dieser durchaus möglichen Szenarien hätte ihm jetzt gerade gepasst.
Im Gegenteil, er hätte sich überhaupt den Verlauf des Tages anders vorgestellt, anders gewünscht. Und es war erst Morgen. Wie sollte sich das bloss noch entwickeln? Trotz all dieser Gedanken stand ein Entschluss fest: Die Freude, die sich vor gut einer halben Stunde in ihm breit gemacht hatte, wollte er sich auf keinen Fall nehmen lassen. Zu wertvoll schien ihm die Aussicht auf ein Leben, das ihm endlich Freude machen würde, auf einen Alltag, durch den er sich nicht ständig kämpfen musste.
Endlich am Bahnhof angekommen entschied er sich für ein Taxi, statt wie gewohnt mit dem Stadtbus weiterzufahren. Er wollte so schnell wie möglich in seiner Firma ankommen und keine weitere Panne riskieren.
Die Auswahl war nicht sonderlich gross, nur ein Taxi stand dort, wo an normalen Morgen eine ganze Reihe stand. Der Fahrer dieses Wagens schien noch nicht lange auf den Beinen zu sein. Etwas verschlafen schaute er aus seiner Wäsche. Und für die morgendliche Dusche hatte die Zeit oder die Lust wohl auch seit mehreren Tagen nicht mehr gereicht. Aber egal, dachte Robert. Besser dieses Taxi als keines. Solange es ihn schnell und direkt an sein Ziel bringen würde, sollte es ihm recht sein.
Robert studierte unentwegt weiter, was wohl passiert sein konnte – mit seiner Sekretärin, zum Beispiel. Ob all diesen Gedanken bemerkte er zu lange nicht, dass sie bald schon am anderen Ende der Stadt angekommen waren. Am falschen Ende, allerdings. Sein Ziel war weiter entfernt, als ihm jetzt gerade lieb gewesen wäre.
Nun war aber Roberts Geduld allmählich am Ende. Erzürnt und so klar und deutlich wie möglich machte er den Fahrer darauf aufmerksam. Er sei noch nicht lange in dieser Stadt, entschuldigte sich dieser mit einem hilflosen und verlegenen Lächeln. Und er kenne diese Adresse, so renommiert sie auch sein möge, nicht. Um Selbstbeherrschung ringend diktierte Robert den Fahrer Strasse um Strasse und Kreuzung um Kreuzung zum Ziel. Dort angekommen stieg Robert aus dem Wagen aus und ging. Ohne zu zahlen. Er hatte dem Fahrer seine Meinung dazu gesagt. Doch so richtig ihm seine Reaktion im Moment auch schien, es sollte ihn noch reuen. Aber wie hätte er das wissen sollen, immerhin rechnete er auch in seinem düstersten Szenario nicht mit dem, was er kurz nach dem Öffnen der Eingangstüre des Firmengebäudes zu Gesicht bekam…
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